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Kollektives Wundenlecken -
Empörung über NVA-Feier im Tierpark Berlin
Der Tagesspiegel vom 7.3.2011
ARTIKEL

LESERBRIEF
Berlin, den 7.3.2011 Leserbrief

(Veröffentlichung unterblieb analog der Stellungnahme vom 30.10.2010 zum MfS-Spion Feuerstein)

Jörn Hasselmann, Lars von Törne, Christoph Stollowsky:
Empörung über NVA-Feier im Tierpark
in: Der Tagesspiegel vom 7.3.2011

Sehr geehrte Herren,

natürlich ist es wichtig, über diese politisch-ideologischen Rituale bekannter Traditionsverbände der bewaffneten Organe der ehemaligen DDR und anderer Organisationen zu berichten, die in aller Regelmäßigkeit an den vermeintlichen Ehrentagen wie den 8. Februar, 1. März (Gründungstage des MfS und der NVA) und 7. Oktober (Gründungstag der DDR) abgehalten werden.

Wenn zu diesen Anlässen immer wieder auch Gallionsfiguren wie Egon Krenz, Heinz Kessler u. a. Vertreter der DDR-Diktatur gefeiert werden, dann handelt es sich tatsächlich doch um ein kollektives Wundenlecken derjenigen, die daran gescheitert sind, dem DDR-Volk „nur“ das überhelfen zu wollen, was Gesine Lötzsch bei passender Gelegenheit erneut ausprobieren möchte: den Weg zum Kommunismus!

Da Krenz und Keßler wegen der Verbrechen gegen die Menschlichkeit (vgl. Beschluß, Ziff. 83.) an der innerdeutschen Grenze/Berliner verurteilt wurden, bestätigt durch Beschluß vom 22. März 2001 des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte (EGMR), Beschwerden-Nr. 34044/96, 35532//97 und 44801/98, sollte nicht der Hinweis versäumt werden, dass hier Leute im Rechtsstatus des Verbrechers (!) gefeiert werden.

Es ist u. E. auch wenig hilfreich, wenn der Verfassungsschutzbeauftragte einer Partei mit dem
Hinweis auf vom „Tierpark erhaltene Landesgelder“ und der Forderung nach Abmahnungen
das Problem als bewältigt ansieht. Der/Die ideologische/n „Schattenspender“ bleiben davon unberührt (im doppelten Sinne des Wortes). Auf gleicher Ebene liegt die immer wiederkehrende Forderung nach Verbot von DDR-Uniformen und -Symbolen, da der irreparable Tatbestand auf das bis zum 2. Oktober 1990 verpasste Verbot von kriminellen Organisationen (Anträge lagen der Volkskammer vor) verlorengeht.

Dem Hinweis des Vertreters der Berliner Polizei, Oliver Tölle, ist nichts hinzuzufügen.

gez. R. Dobrinski
Vorstandsvorsitzender, Forum zur Aufklärung und Erneuerung e. V.

PS: Sehr geehrte Herren, auf dem Postweg geht Ihnen unsere Publikation „Die Aufarbeitung von
DDR-Staatskriminalität ...“ zu, wo im Anhang 4 S. 116 ff. die o. g. EGMR-Entscheidung nachlesbar ist.